Der Blog „Quark und so“ von Johanna Bayer

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Screenshot des Blogs „Quark und so“ von Johanna Bayer

Der erste Blog, den ich vorstelle, ist „Quark und so“. Blogger Johanna Bayer ist Wissenschaftsjournalist und beschreibt sich so: „Isst, seit sie denken kann. Denkt, seit sie essen kann.“ Sie hat viele Jahre Fernsehen gemacht, vor allem bei WDR und ARD, sich auf Ernährungsthemen spezialisiert und Ende 2014 ihren Blog gestartet. Darin nimmt sie ihre eigene Zunft aufs Korn und schreibt über den Umgang der Medien mit Ernährungsthemen, Motto: „Was die Medien anrichten“. Ihr erster Beitrag ging bundesweit durchs Netz, inzwischen hat sie 20.000 Besucher pro Monat auf ihrem Blog und sogar Auszeichnungen in der Szene bekommen – für sie selbst eine Überraschung.

Warum hast Du angefangen zu bloggen?

„Da kamen mehrere Impulse zusammen, von innen und von außen. Ich wollte gerne über Essen schreiben, nicht nur Fernsehen machen, weil im Fernsehen die Darstellungsmöglichkeiten zu speziell sind. Und mehrere Leute, Du ja auch, sagten: „Du musst endlich ins Internet, das ist genau das Richtige für Dich“. Erst wollte ich nicht, ich fand Facebook und Twitter doof. Aber als ich mich etwas mit den sozialen Medien und Blogs beschäftigt habe, dämmerte mir, dass das eine tolle Möglichkeit ist.

Was ist das Besondere an Deinem Blog?

„Der Ansatz ist, dass ich nicht einfach über Ernährungsthemen schreibe. Sondern ich analysiere Print-, Radio und Fernsehbeiträge, die darüber berichten, schaue mir die Argumente an, reflektiere, was die dazu sagen und wie sie das Thema aufbereiten. Das kann positiv oder kritisch sein. Es gibt bei mir keine Rezepte, keine stylischen Food-Fotos und keine Tipps, das steht ausdrücklich auf meinem Blog. Quarkundso.de ist eine Kombination aus Medienkritik und Ernährungswissen, so eine Art Watch-Blog. Dabei versuche ich, bei aller Kritik witzig und unterhaltsam zu sein, ungewöhnliche Informationen zu liefern. Besserwisserei über Essen und bloßes Genörgel an den Medien können sonst schnell nerven, finde ich.“

Du bist gleich mit Deinem ersten Blogbeitrag sehr erfolgreich gewesen. Woran lag das?

„Der erste Artikel war natürlich prominent, weil er zu einer Sendung von ´Hart, aber fair´ war. Die haben einen dicken journalistischen Fehler gemacht: Sie haben ein PR-Material vom Vegetarier-Bund in einer Sendung verwendet, ohne die Quelle zu nennen. Ich kannte dieses Video, weil ich selbst eine Vegetarier-Sendung für den WDR gemacht habe. Das habe ich aufgedeckt, der Beitrag ist sofort von Leuten geteilt worden, die eine große Reichweite bei Twitter haben und so beim bundesweiten Mediendienst ´turi 2´ gelandet. Der hat getitelt: „Plasberg mit PR-Material erwischt!“. Die Redaktion ´Hart, aber Fair´ hat dann in ihrem Fakten-Check den Fehler zugegeben und sich entschuldigt.“

Johanna Bayer und Ihr Blog "Quark und so"

Bloggerin und Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer ist mit Ihrem Blog „Quark und so“ auf Erfolgskurs.

Würdest Du Dich als Expertin bezeichnen?

„Ich kann mich nicht selbst als Expertin bezeichnen. Das müssen andere Leute tun. Aber ich kenne mich schon ganz gut aus auf beiden Gebieten, also mit den Medien und beim Essen. Das spiegeln mir Leute zurück, und ich kann bei Fachdiskussionen auf Augenhöhe mitreden.“

Hast Du beim Bloggen eine Lücke entdeckt?

„Scheinbar schon. Ich habe mir das vorher natürlich angeguckt und festgestellt, nein, so etwas gibt es noch nicht. Ich wollte ein eigenes Profil haben. Foodblogs mit Bildern von puderbestäubten Törtchen gibt es Tausende. Das bin ich nicht. Und ich bin auch keine Ökotrophologin, die die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung runterbetet und zu mehr Obst und Gemüse rät. Dazu gibt es ja auch viele Angebote.“

Ist der Blog Dein Aushängeschild geworden?

„Ja, der Blog ist definitiv inzwischen eine Visitenkarte für mich im Netz. Leute kommen auf mich zu und sagen, der Blog und die Schreibe hätten sie überzeugt. Meine Auftraggeber lesen die Beiträge auch regelmäßig, und mir folgen auch einige Fachleute auf Twitter und auf dem Blog.“

Verdienst Du Geld über den Blog?

„Nein. Ich habe keine Werbung auf dem Blog und verkaufe und teste keine Produkte. Das geht als Journalistin auch nicht. Ich wollte einfach meine Haltung zeigen und eine Präsenz im Netz haben. Das gelingt.“

Ich fasse mal zusammen, wie Dein Blog dasteht, nach anderthalb Jahren:

Macht Dich das als Blogger stolz?

„Ja, schon. Ich habe das so überhaupt nicht erwartet, nach der kurzen Zeit. Vor allem, weil am Anfang viele zu mir sagten: „Du wirst Dich böse in die Nesseln setzen mit Deinem Konzept. Außerdem machst Du keine Bilder, bietest keinen Service, keine Videos, und schreibst viel zu lange Texte – das wird nichts.“

Was würdest Du Leuten raten, die auch bloggen wollen?

„Irgendetwas muss man gut können, und es muss einem leicht fallen. Sonst bringt man die Zeit nicht auf, die das Bloggen braucht – und Bloggen kostet eine Menge Zeit. Ansonsten hatte ich das Glück, dass ich in München in ein Seminar der genialen Lousypennies gehen konnte, Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann.  Das war das Beste für den Start. So etwas würde ich jedem empfehlen, um sich über das klar zu werden, was man will und seine Idee zu schärfen.“

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