TV ist tot! Tot?

TV ist tot … äh, oder zuckt es doch noch?

  1. Der Anknüpfpunkt

Mein letzter Frei-Schnauze-Blogbeitrag mit dem Titel „Guckst du noch TV – oder bist du schon tot?“

  1. Die Sachlage

Am vergangenen Mittwoch, 28. Januar, war die Meldung in allen Medien: Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass es für Kinder aus anonymen Samenspenden kein Mindestalter gebe, in dem sie ihr Recht auf Auskunft über ihren biologischen Vater einfordern können.

  1. Die Folge

Ein Anruf am darauffolgenden Tag, 29. Januar, aus der Redaktion von „Menschen hautnah“: Man werde unsere Doku „Anonym gezeugt – Suche nach dem fremden Vater“ aufgrund der aktuellen Schlagzeilen ins Netz, also auf die Internetseite der WDR-Sendung stellen.

  1. Der Hintergrund

Meine Kollegin Michaela Bruch und ich haben für die Redaktion „Menschen hautnah“ besagte 45-minütige Fernsehdokumentation über die Suche zweier junger Frauen, die über eine anonyme Samenspende gezeugt worden sind, produziert. Sendedatum 5. März 2015.

  1. Die Schlussfolgerung

Was Ende Januar schon auf der „Menschen hautnah“-Internetseite steht und als Stream angeklickt werden kann, ist doch am 5. März eiskalter Kaffee. Wer schaltet dann noch das alte Dampf-TV an (selbst wenn es sich dabei technisch gesehen um einen nagelneuen gekrümmten Flatscreen aus Südkorea handeln sollte)?

  1. Die Zusatzinfo

In der Redaktion,  so erfuhr ich auch, hatte man kurzzeitig darüber nachgedacht, wegen der Aktualität das Programm zu ändern und an besagtem Donnerstag unsere Dokumentation über die Samenspenderkinder auf dem TV-Sendeplatz auszustrahlen und die ursprünglich angekündigte Doku zu verschieben. Der Grund dafür, dass man das doch nicht gemacht hat, war das auf RTL zeitlich parallel laufende Dschungelcamp. Mit einer kurzfristigen Programmänderung hätte man die Zuschauer eher irritiert und das Thema im wahrsten Sinne des Wortes „versendet“.

  1. Das Lebenszeichen

Das Format „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ ist ein Beweis dafür, dass ein linear ausgestrahltes Fernsehprogramm doch noch viele Zuschauer bindet. Und Auswirkungen auf den Mediendschungel hat. Was Programmentscheidungen sämtlicher TV-Macher stark beeinflusst. Sie beugen sich allerdings dem (vermeintlichen) Mainstreamdiktat, auch wenn sie eine andere Wahl hätten. Aber solche marktschreierischen Fernsehformate sowie auch Sportgroßereignisse sind immerhin Anzeichen dafür, dass der „first screen“ doch noch zuckt und flimmert.

  1. Der Ausblick

Insgesamt gesehen ist das aber auch ein Anzeichen dafür, dass sich das Fernsehvollprogramm – egal ob öffentlich-rechtlich oder privat – durch seinen Kampf um Aufmerksamkeit und Quoten im rasanten qualitativen Downshifting befindet. Ob und wie sich das TV in der Medienlandschaft neu positioniert, wird an dieser Stelle weiter bebloggt.

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