Guckst du noch TV – oder bist du schon tot?

Guckst du noch TV – oder bist du schon tot?

ARD und ZDF wollen einen gemeinsamen Kanal für die Jugend eröffnen. Und sollen das auf Wunsch der Ministerpräsidenten nur als reines Onlineangebot im Internet. Na endlich! Könnte man sagen.

Von der Art der Verbreitung wären die Öffentlich-Rechtlichen damit endlich vollends in der Gegenwart angekommen. Zumindest von ihrer Absicht her.

Mit Verspätung ins Neuland

Aber: Zehn Jahre zu spät. Vor zehn Jahren hätte vielleicht noch eine Chance bestanden, sich ein Publikum, beispielsweise angefixt durch die Sendung mit der Maus, gewissermaßen großzuziehen und gewogen zu halten. Zuschauerbindung nennt man so etwas.

Doch vor zehn Jahren erhielten etwa die aktuell arbeitenden Redaktionen des Fernsehens gerade einmal ihre ersten Internetredakteure. „Iih“ wie „Internet“, dachten die Stammredakteure damals und pferchten die neuen Kollegen für die digitalen Inhalte ins fensterlose Büro am Ende des Ganges, weit weg vom bunten Treiben des Redaktionsgeschehens.

Das hat sich mit der Zeit geändert, man arbeitet mittlerweile den Onlinern richtig gut zu. Fertiggestellte Filmbeiträge werden heute bspw. in WDR-Fernsehmagazinen sogar schon vor der Ausstrahlung im TV als Stream angeboten, man twittert jung und freut sich wie Bolle über Facebookeinträge der lobenden Rentnerzuschauerschaft. Tja, die Dritten für die mit den Dritten. (Doch diese Zuschauerbindung wird zusehends aufgelöst – durch den Quotenjugendwahn der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten.)

Kinder, Jugend, Erwachsene, Alte – die unfassbare Zielgruppe

Denn ein junges und jugendliches Publikum findet man bei ARD und ZDF vergebens. Inhalte aus Spartenkanälen wie ZDFneo oder EinsFestival werden zwar auch von den Zwanzigjährigen Digital Natives wahrgenommen. Aber in der Regel nicht im TV. Sie gehen ohne den Umweg über ein Fernsehgerät ins Internet, stöbern in den Mediatheken, wann sie Zeit und Lust darauf haben. Als eines von vielen Angeboten neben Vimeo, Youtube und anderen Empfehlungen aus den sozialen Netzwerken. So machen das aber auch immer breitere Teile der Zuschauer-Generationen (nun gut, hier der Vollständigkeit halber auch der Terminus technicus erwähnt: Digital Immigrants) darüber. Die zusätzlich auch noch Bezahlangebote von Sky oder Maxdome u.a. wahrnehmen, welche über Satellit und IPTV on demand nach Hause streamen. Wann man will, so oft man will.

Wie gesagt, vor dem Hintergrund erscheint es nur allzu logisch, ARD und ZDF dazu „zu verdonnern“, den Jugendkanal direkt ins Internet zu stellen, gar nicht mehr den üblichen TV-Ausstrahlungsweg zu beschreiten. Doch niemand hat auf dieses Angebot gewartet. Wie schon gesagt, die im Namen erwähnte Zielgruppe schon gar nicht.

Das Internet saugt die Traditions-Medien ein

Die gesamte mediale Welt befindet sich in einem galoppierenden Wandel. Die Zeitschriftenverlage haben es als erste zu spüren bekommen, die überlebenden Blätter ziehen hektisch um ins Internet, vergessen dabei Personal und Inhalte. Zwar entstehen gute Websites und kreative neue Formen in der Darstellung (etwa WDR.online und arte zeigen gute Beispiele), aber ein „junges Publikum“ binden zu wollen – einfacher wäre, zwanzig junge Katzen aus einer Gardine zu befreien. (So, an dieser Stelle hat auch mein Blogbeitrag seine Katzen.) Die Jungen lassen sich nicht binden. Wollen sich nicht binden. Die gucken bestenfalls vorbei und zwitschern davon. Und: der Begriff „junges Publikum“ bezogen auf eine festgelegte Altersgruppe von 14 – 29 ist schon der falsche Ansatz, nun gut: Hohn. Da werden mir alle Ü30-Leser beipflichten. Das Internet ist ein Forum für interessante Themen und Inhalte – nicht für willkürlich festgelegte Altersgruppen.

Pantoffelkino adé

Auch wenn einer aktuellen Studie zufolge (übrigens im Auftrag von Fernsehmachern) in Europa das TV immer noch Medium Nummer Eins sei, so kann man für die nahe Zukunft prognostizieren: Wer immer noch fernsieht, hat keine Batterien mehr in der Fernbedienung und keine Lust, den Rollator zu packen um auszuschalten – oder besagte Fernbedienung befindet sich in einer steifen, kalten Hand.

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