Der letzte schöne Sommer

Der letzte schöne Sommer oder Klimawandel?

Später, so um 2100, wird man sagen: Es war nicht alles schlecht damals, der Klimawandel zum Beispiel, haben es doch schön warm jetzt. Und wenn das an die Nazi-Zeit erinnert und das vorgeschriebene Erinnern daran – ist gewollt. Weil: Die Lücken der Erinnerung sind immer mit dabei, schon in der Gegenwart und immer im Menschen. Ist einfach besser auszuhalten, das Jetzt, wenn nicht alles, was die Väter, Mütter, Großväter, Großmütter taten schlecht war. Macht es leichter, die eigenen Lieben irgendwo anders hinzudenken, nicht zu den Idioten, die den Klimawandel verschlafen haben, weiter SUV fuhren und gegen die Stromtrasse im Vorgarten demonstrierten. Also wir heutige. Ich selber natürlich nicht, ich protestiere nicht, besitze kein Auto, kaufe grünen Strom, ach nee, der war ja zu teuer, haben wir vor Jahren umgestellt. Und im Urlaub, wenn er denn statt findet, muss es doch ein Leihwagen sein, weil, da gibt’s ja keine U-Bahn. Kleine Sünden, nicht wahr.

011120141073 Anfang November, 21°

Adorno hilft, wenn man dran glaubt

Es gibt kein richtiges Leben im falschen, außer man versucht es; so haben die klugen Comedy-Freunde von Onkel Fisch den tot-zitierten Adorno in ihrem Programm reanimiert. Mag sein, klingt nach einer Chance. Aber es reicht nicht. Wer glaubt denn an den ‚moderaten‘ Anstieg der Weltdurchschnittstemperatur um zwei Grad, wenn wir uns anstrengen? Strengt sich da einer an – die Industrie, die an ihren EEG-Ausnahmen klebt? Die Protest-Bürger gegen Stromtrasse & Pumpspeicher? Die Konsumenten, also so gut wie alle? Konsumverzicht ist eine uralte Idee, nach den Mönchen hat vor etwa 20 Jahren Heidemarie Schwermer angefangen das vorzuleben, indem sie alles verkaufte oder verschenkte und jahrelang dort unterkam, wo sie helfen und mitarbeiten konnte. Das reichte ihr. Stolze mutige Frau, leider komplett allein.

22102013537 14. November, 16°.

Das Mehr-Haben-Wollen ist unausrottbar. Mit sich und dem, was Du hast, zufrieden zu sein: viel zu selten. Tolles Gesellschaftsmodell, das: zehn Prozent finden’s geil, vierzig Prozent so lala, wenn’s zwischendurch ein Bonbon gibt und der Rest kriegt nix mit, weil zu jung, zu doof oder zu hacke. Also: Es wird nicht reichen. Der Verlust der Eis-Masse der Antarktis nicht mehr umkehrbar, sagt man uns heute. 9000 Wörter im 2014-Weltklimarat-Kurz-Bericht für ‚Entscheider‘ – (vielleicht) gelesen von ein paar Entscheidenden, die sagen: Ich allein kann da gar nix entscheiden. Iss klar. Na dann: Das war’s. Wir Jetztlebende haben noch einige gute Jahre, schnell noch ein paar echte Eisberge oder bunte Fische/letzte Paradiese besichtigen, dann sturmsichere Quartiere beziehen oder Pentobarbital besorgen, falls ein Hurrikan doch den Weg zu uns und nicht nur nach Bangladesh findet. Man muss auch loslassen können. Und 2100 sind wir alle Helden.

Marcus Bednarek

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Eine Antwort zu Der letzte schöne Sommer

  1. w8screens schreibt:

    Ein erholsames Wochenende wünsch ich 😉

    Gefällt mir

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