Amazon versus Buchverlage

Marcus Bednarek Blog #5

Amazon versus Bücher

Schon in diesem April konnte man lesen, wie Amazon in den USA seine Marktmacht gegenüber dem Buchverlag Hachette dort ausspielte. Von Beginn an ging es um höhere Rabatte oder Boni für E-Books, die Amazon verkauft. Und um eine Art Bestrafung der Hachette-Titel beim Amazon-Marketing durch verzögerte Auslieferung und Nicht-Erwähnung in den Kauf-Tipps, die zu jedem Buch auf der Amazon-Seite eingeblendet werden.

Etwas später erschienen die ersten Berichte über eben jene Praktiken von Amazon gegenüber den deutschen Bonnier-Verlagen wie Ullstein, Piper und Carlsen. Christian Schuhmacher-Gebler, Geschäftsführer der Bonnier-Gruppe Deutschland, erläuterte mir den Stand der Verhandlungen mit Amazon, im August unverändert, und dass die geforderten Bedingungen für seine Verlage nicht zu erwirtschaften seien.

Bei Papier-Büchern liegt der Rabatt der Verlage bei 50%, das sei gerade noch machbar. Bei E-Books ginge das nicht, weil zwar manche Kosten beim Verlag fehlen würden, aber Lektorat und Marketing die selben Kosten verursache und der Anteil der Autoren höher liege.

E-Book2

Das Rabatt-System

Durchgerechnet heißt das: Das Papier-Buch kostet zehn Euro bei Amazon oder im Buchladen. Die bezahlen dem Verlag nur fünf Euro, 50% Rabatt, normal. Der Autor bekommt zehn bis 15% vom Endpreis, der Rest geht an den Verlag. Das E-Book von diesem Papierbuch kostet acht Euro bei Amazon, für den Verlag sind das 2,40.- Euro, 30% vom VK. Den Verlagen bleiben also mehr in der Kasse als beim Papier-Buch, in diesem Beispiel 5,60.- statt fünf Euro. Davon würden sie ihren Autoren auch mehr Honoraranteil geben, sagen die Verlage, für alle nachprüfen kann man das nicht.

Das E-Book ist kaum billiger herzustellen als das Papier-Buch

Sagt KiWi-Verlagschef Helge Malchow: Die materielle Herstellung des Buches mache etwa 1/7 der Kosten aus. Weil das eher wenig ist, können auch die E-Book Endpreise nur ein wenig niedriger sein. Ein höherer Rabatt für Amazon würde zu weniger Ertrag für den Verlag und geringeren Autoren-Erlösen führen. Auch Klaus Kluge, Vorstand beim Bastei-Lübbe-Verlag in Köln, sah das so. Sein Verlag ist derzeit in Verhandlungen mit Amazon und soll auch 50% statt 30% Rabatt auf den VK geben. Das will Manager Kluge nicht, er sieht die Gefahr, Mitarbeiter zu entlassen in der Produktion bei Bastei-Lübbe am Standort Köln und/oder höhere Preise für die Kunden. Denn ein höherer Rabatt lässt sich durch einen erhöhten Endpreis für die Kunden ausgleichen. Das würde den Lesern im Land wohl nicht gefallen. Jetzt, im Oktober, hat Bastei-Lübbe nach einem Bericht des Spiegel vom 22.9.’14 zu Ende verhandelt: Der Verlag gibt nicht den geforderten Rabatt, aber er gibt seine Bücher in das Flatrate-Angebot von Amazon. Das passt zu einem Bericht in der FAZ vom 29.9.’14 über Amazon und die E-Book-Flatrate. Denn das war das weitere Ziel der Verhandlungen: Amazon will genug attraktive Titel zum pauschalen Preis von etwa acht Euro dabei haben, wenn es los geht zur Buchmesse.

Bücher per Flatrate

In der Flatrate für E-Books sieht Amazon großen Profit – denn in den USA hat das gut funktioniert. Ob das auf den deutschen Buchmarkt so übertragbar ist? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, weil die Deutschen doch zu sehr am Papier hängen. Anderseits: Die meisten Leser sind weiblich und lesen gern zur Entspannung einfach mal etwas weg – solche Bücher braucht frau nicht unbedingt im Schrank. Und verleihen will frau die wohl auch nicht. Was auch komisch wird, wenn ein Titel bloß 1,99.- kostet, wie die meisten im E-Book-Shop von Amazon. Aber die meistverkauften fünf auf der Liste sind bei Amazon selbst herausgebracht, ohne Lektor und Verlag.

Die Zukunft des Buches bei Amazon ist die aller Waren dort – möglichst viel davon und möglichst wenig Aufwand bei hohem festem Ertragsanteil für den Online-Versand. Das geht mit E-Books sehr viel besser als mit papiernen. Und ohne Verlage geht es auch besser für Amazon – ein sperriger Verhandlungspartner weniger. Natürlich wird dann viel Schrott veröffentlicht werden. Ob so Lesbares entsteht, das überraschend, klug und unterhaltsam ist? Kann sein, wenn der Schwarm zu irgend was gut ist. Aber nicht, weil es bei Amazon erschienen ist. Sondern weil das Buch gut ist.

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Eine Antwort zu Amazon versus Buchverlage

  1. Pierre Bucher schreibt:

    Wir betreiben in der Schweiz, wo die Buchpreise liberalisiert sind, einen Preisvergleich für Bücher. Leider ist es schon so: in 99% der Fälle ist Amazon der günstigste Anbieter, trotz Versand aus Deutschland. Schauen Sie selbst, z.B. bei den Bestsellern 2014: http://www.buchpreisvergleich.ch/buch-bestseller-liste-b%C3%BCcher

    Gefällt mir

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