GeAcht ist geil – Die Wissenschaft hats festgestellt

„Schule ist doof, und jedes geschenkte Jahr ein gutes Jahr“. Ansichten einer Schülerin vor 30 Jahren. Und heute? Erlebt sie diesen Film neu, als Zaungast in einer achten Klasse. Also mittendrin.
Um mich herum gestresste Mütter, die fleißig Unterschriften für Schulzeitverlängerung pandasammeln, Briefe an Lehrer schreiben, auf Demos gehen: Für ein Jahr mehr Schule. Bitte nicht.
„So viel Unterricht… die Kinder kommen nicht nach… die Armen müssen so viel lernen…Geraubte Kindheit… keine Freizeit …, selbst am Wochenende ist noch was zu tun“ – diese Sätze kommen in verschiedenen Varianten vor. Gesprochen wird über 3! Unterrichtsstunden 2 ¼ Zeitstunden mehr. Das einstige G9 kam mit 30-32 Stunden die Woche aus, das jetzige G8 mit 34. Yo auch ein Arbeitnehmer merkt wenn er statt 38 Wochenstunden 40 arbeiten muss, aber wenn er seinen Job gerne mag ist das sicher ok, und wenn er dafür etwa drei Jahre früher in Rente gehen kann, dann gehe ich jede Wette ein, da stünden einige Schlange für. In Schulsachen scheint dagegen die Ansicht verbreitet:

“Es ist so schlimm, bitte mehr davon” – Häää???

Zuuuuu viel Stoff – Quatsch. Sind die Lehrer mit Spaß und Motivation dabei, nehmen die Schüler sogar Grammatik, Formeln und Latein auf, steht ein Honk der Tafel, schlafen sie vor Langeweile ein und kriegen vom Lehrstoff ungefähr nichts mit – hat mit G8 nichts zu tun.

Hausauauaufgaben – Oh, manchmal fallen tatsächlich drei Stunden Hausaufgaben an! Nicht schön, aber gewöhnlich haben zwei der drei Stunden ihren Grund in Prokrastination. – G8 kann nichts dafür.
tafelDruck – Klassenarbeiten bereiten Druck. Yo! Startet das Schuljahr erst mal mit 2en und 3en, läuft es halbwegs entspannt. Beginnt es mit 4en und 5en ist das Polster mau. Nicht schön. Aber 24 Klassenarbeiten gab’s schon immer und mit ihnen: Aufregung vorher, währenddessen und bei der Bewertung. – Meinetwegen könnte man die abschaffen, aber da ist man sich im Schulsystem einig, das geht wohl nicht. Also  zum letzten Mal:
G8 kann man das nicht in die Schuhe schieben.

G 11
Der IW-Bildungsforscher Axel Plünnecke hat unlängst in einer Metastudie Leistungsvergleiche zwischen G8- und G9-Schülern zusammengetragen und kommt zu dem prima Satz: „Die Ergebnisse sind spektakulär unspektakulär. Die Aufregung um G8 ist empirisch nicht belegbar.” Es konnten laut Plünnecke keine deutlich positiven oder negativen Effekte festgestellt werden. Na also, geht ja doch. ENDLICH, SUPI, JIPEEE.

Da haben sich die abertausend elterlichen Bildungsforscher wohl doch getäuscht. Und durch das G8 Gejammer die andere Gruseligkeiten (8:00 Schulbnon vitae usweginn, Leistungsabfrage durch Klassenarbeiten, ungeeignete Lehrer weiter unterrichten lassen, Langeweile, Schikane) unter den Tisch gekehrt. Dinge, die man wirklich kein Jahr länger als nötig braucht. Gelingt es, Schule so zu gestalten, dass sie wirklich zur geilsten Zeit des Lebens wird, erhöhe ich auf G10, ach was G11, sofort!

 

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Eine Antwort zu GeAcht ist geil – Die Wissenschaft hats festgestellt

  1. Marcus schreibt:

    sehr lustig & sehr wahr & sehr verkehrt, was derzeit an den Schulen läuft – bloß für die ‚Prokrastination‘ reichte mein antikes G9 nicht aus… gut, dass heute Internet alles…

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