Hammer-Kommunikation 3.0

Hammer-Kommunikation 3.0

Bild aufhängen, eben mal gemacht. Nur – wo ist der Hammer? Diese Ausgangssituation stellt sich eines Freitags Lisa. Das Bild steht schon an der Wand. Ein Motiv, das sie zusammen mit Sven im Thailand-Urlaub vor dem goldenen Buddha zeigt. Eng umschlungen, verliebt, entspannt. Seit fast zehn Jahren das ideale Paar.

Sven auf dem Mobiltelefon anrufen, der weiß, wo der Hammer hängt (ja, das weiß Lisa natürlich, schätzt sie so sehr an ihm – pardon, wir sollten hier gerade doch linear denken, praktisch, ergebnisorientiert, wollen diese Geschichte in keine falsche Richtung lenken). Er geht nicht dran, Mobilbox: Hallo Sven, wo ist der Hammer?* Ruf mich bitte schnell zurück. Schmatz, dein Schatz!

Warten. Keine Rückmeldung!

SMS schicken: Liebster, wo ist der Hammer? Dicker Kuss, Lisa.

Warten. Keine Rückmeldung!

Rufe ich dann eben seine Kollegin im Büro an. Lisa kann sie eigentlich nicht leiden, blond, gutes Gestell, Flirtcharakter, Konkurrenz, Gefahr. Auch nur die Mobilbox dran. Spricht Lisa nicht drauf.

Nochmal anrufen. Warten. Keine Rückmeldung!

Vielleicht will er nicht angerufen werden? Drückt er meine Anrufe weg, beachtet die SMS nicht. Ist in einem Meeting? Oder mit der Kollegin in einer Kaffeepause? Nein, nicht mein Sven, denkt Lisa. Der arbeitet bestimmt ganz konzentriert am Computer, schicke ich ihm doch einfach eine Email: Liebster, unser Bild muss aufgehängt werden. Nur ist der Hammer nicht in der Werkzeugkiste. Sag mir bitte, wo er ist. Deine Lisa.

Warten. Keine Rückmeldung!

Rufe ich einfach seinen besten Freund an, Tim, die beiden haben schon zusammen im Sandkasten gespielt.

Besetzt. Ach, fällt Lisa ein, der kann das ja nicht wissen, der ist ja wieder auf Dienstreise am anderen Ende der Welt, Adelaide oder so.

Sven hängt doch dauernd in Facebook, an PC und Smartphone. Da kann ich ein Selfie von mir posten, denkt Lisa. Kurz nachschminken. Man muss sich ja optisch gegenüber Svens Arbeitskollegin behaupten, positionieren. Zeigen, wo der Hammer hängt, ach, da ist er wieder, nur nicht der, der jetzt gebraucht wird.

Selfie. Upload. Warten. Keine Rückmeldung!

Was denkt der sich!

Lisa wird immer wütender. Was ist da los? Ist alles aus? Wir hatten doch so viel vor. Und seine Kollegin – diese Schlampe! Jetzt kommt alles raus. Das war’s. Ich habe ihm meine besten Jahre gegeben. Wir wollten eine Familie.

Kontrolle Email, Telefon, Facebook. Keine Rückmeldung!

Lisa tobt und heult. Läuft in der Wohnung herum. Schmeißt das Bild in die Ecke, Rahmen und Glas zerspringen …

Es klingelt an der Tür, Lisa springt hin und macht auf. Sven steht vor ihr, den Hammer in der Hand. Lächelt sie verliebt an. Er will eintreten.

Lisa guckt ihn nur an. Wortlos knallt sie ihm die Tür vor der Nase zu. **

———————-

* Auflösung: Sven hatte seiner Liebsten vergessen zu sagen, dass er sich einen halben Tag freigenommen hatte, um einem Freund beim Umzug zu helfen. Mit Hammer. Svens Smartphone war zwischenzeitig in eine Sofaritze gerutscht. Und schon 24 Monate alt (Akku!). Diesen Freund hatte Lisa nicht in den Kontakten gespeichert.

** Danksagung: Lieber Paul Watzlawick, auch in Zeiten absoluter technischer Kommunikationsmöglichkeit, die über ein „eben mal anrufen“ hinausgeht (um die äußere Realität mit der inneren Einschätzung möglichst engmaschig abzugleichen), gibt es zwischen den Ohren immer noch genug Raum für Phantasie – und Paranoia.

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