Wo ein Fluss ist, ist noch lange kein Weg

Ferienzeit, Gedanken: Deutschland ist ja auch ein schönes Land (wenn das Wetter nett zu einem ist), die Mehrheit der Deutschen macht im eigenen Land Urlaub (auch wenn alle nur von Mallorca, Italien oder Türkei erzählen) und teuer weit zu fliegen ist auch ökologisch total bäh. Also Ferien hier bleiben. Radtour. Nette Strecken? An Flüssen entlang. Da war doch so ein Etwas hier in dieser Stadt, unter den Brücken und neben den Promenier-Wegen…. genau ja: ein Rhein. Der Rhein, mit Radweg von der Quelle bis Rotterdam. So steht es geschrieben, total beliebter Weg, viel befahren. Karte besorgt, los gefahren. Beim Kartenkauf kam ich mir ja schon obervorsichtig „ist doch immer am Fluss entlang finden wir schon“ un-spontan vor. Von wegen. Ohne Karte…, ach man soll ja nicht direkt alles erzählen. Aber wenn Sie Zeit sparen müssen: Der Weg, ‚tschuldigung ‚Der europäische Top-Radwanderweg‘ ist nicht vorhanden. Da ist kein durchgehender Drei-Räder breiter eigener Fahrstreifen für reisende Velos am längsten schönsten seit 1000 Jahren von Touristen besuchten Weg am Rhein.

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Entschuldigung, wo bitte geht’s zum…?

Das ist sehr langgezogenes Puzzle-Spiel, öfter mal ohne Anschluss. Oder eine Schnitzeljagd: Finde den nächsten Abschnitt oder verende auf der Bundesstraße. Oder im Industriegebiet. OK, das war die Ärger-Abteilung, denn ja, es gibt auch schöne Abschnitte. Dort, wo es einfach ist, wo man einen Deich hat, darauf ein Schild stellen kann und den Weg auf dem Deich ‚Rheinradweg‘ nennt. Wo auf Stadtgebiet an den Ufern sowieso ein Weg ist, weil alle am Wasser spazieren gehen wollen und man noch ein Radsymbol darauf pinselt und ein Schild aufstellt. Aber wenn ein Reihenhaus-Gebiet neu dazu kommt: Kein Weg nirgendwo. Wenn irgendwer in der Flussaue irgendwas reparieren muss: Sackgasse, Umweg, Bundestrasse. Da fuhr mein Sohn auch mal lieber in den Graben statt sich mit 40-Tonnern anzulegen. Die gehörten da auch hin, war der Uerdinger Ost-Hafen, keine Gegend für Radler. Immerhin blieb es dort konsequent: Einiges vor Uerdingen bis nördlich von Duisburg gibt’s nicht mehr als grobe Hinweise und geduldete Existenz auf dem Bürgersteig. Vorher bei Düsseldorf sieht es nicht anders aus, man kurvt durch Hinterhof-Hafenstraßen und hofft, nicht in den Industrie-Schienen hängenzubleiben. Schön, dass der Rhein so breit und groß ist, man muss ihn nur wiederfinden. Irgendwo hinter dem Autobahnzubringer über den Schotterweg

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bei den Bäumen muss er sein…

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Auch ohne Weg zum Ziel

Zugegeben: Wir sind durchgekommen, sogar angekommen am Ziel. Drei Tage von Köln an den tiefen Niederrhein, 230 Kilometer, trotzdem wir viel mehr Straßenkreuzungen von allen Seiten besichtigt haben als gewollt. Aber das Ding nennt sich ja ‚Erlebnisweg Rheinschiene‘. Ich fang‘ jetzt nicht an auf dem ‚Erlebnis…‘ rumzuhacken, ist wohl klar wie das ausgeht. War auch Schönes dabei, wie so ein Fluss fast verschwindet neben/unter/zwischen all dem Menschengemachten. Wie er langsam wieder Macht gewinnt über die Landschaft und zufällig vorbei kommende Menschen auf Rädern vor Wasser und Himmel und Weite angenehm klein sich fühlen. Wäre man nicht mit Weg-finden befasst, könnte man glatt filosofieren. Aber das wird ein neuer Blog, ander Mal.                            15082014888

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Eine Antwort zu Wo ein Fluss ist, ist noch lange kein Weg

  1. w8screens schreibt:

    schönes Wochenende wünsch…. 😉

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