Ich würde ja wollen wie ich könnte, wenn ich dürfte

Marcus Bednarek

Ich würde ja wollen wie ich könnte, wenn ich dürfte. Verstehssu? Oder bleiben wir bei Kant: Wollen, weil man es kann? Also nix tun, was nicht gekonnt wird? Bloß, dass dabei nix neues entsteht. Das ist das Thema hier: Wieso wir/ich/Du immer so gute Gründe finden, nix zu tun. Darüber ist ja weidlich geschrieben/gebloggt/geslammt worden, jede Generation scheint eine Julia Engelmann zu haben, die sich irgendwo hinstellt ins Internet oder in die Zeitung oder ins Buch und lamentiert, kunstvoll, energetisiert (!): Ich kann nix. Steh mir selber im Weg. Mach also nix. Bin nix. Wieso bin ich/wir/Ihr so? Ach ach – tja, und weiterblättern.

Und wenn das nicht wirklich die richtige Frage aus der richtigen Diagnose ist? Denn, Achtung super mutige Gegenthese: Es ist nicht mehr alles wie es immer war. Die Julia von heute wird wie tausend andere nach tausend Praktika eine bezahlte Beschäftigung finden irgendwo zwischen Scheinselbstständigkeit und Selbstausbeutung. Mann & Frau, jung, heute, können ein Ding finden, was ihnen etwas einbringt für die notwendigen Projekte und Gewerke des Lebens und nicht völlig frustriert sein darüber. Die nicht so mitteilungsbedürftigen Julias und Julians werden keinen Job dieser Art finden, sondern in der all-befriedenden Angestelltenwelt verschwinden. Einige werden in ein paar Jahren auf der Straße leben oder in Asien/Amsterdam/Syrien aufgelöst. Irgendwas neu daran?

Früher haben die Unzufriedenen mal eine Partei gegründet, Grüne genannt, damit sind sie eine Weile gut gefahren als Alternativ-Angebot für Sinn und Verstand. Heute, kürzlich, haben einige Unzufriedene eine Partei gegründet, das Piraten (oder AfD oder ProKöln oder irgendeine Farbe) genannt, ein schönes neues Angebot für Sinn und … So what? All diesen Lebens-Sinn-Angeboten steht nichts und keiner entgegen. Dazwischen kommen könnte vielleicht Putin oder ein Meteorit oder die Super-Grippe. Wenn es heute hier ein Problem gibt, dann eher dass all diese Angebote gleich nix bedeuten. Es gibt kein ‚fertig‘ und ‚kann so bleiben‘ mehr. Hatten wir auch schon Mal, panta rhei und so weiter. Deshalb: Mir scheint, die Klage an sich ist die Währung für Aufmerksamkeit und darum geht es. Jammern ist der neue Sex & revolt for clicks wegen nix. Hat ja auch geklappt – wenn selbst ich hier etwas dazu… deshalb muss noch ein Gedanke mehr her. Tätä: Wenn ich dürfte, was ich könnte, würde ich das noch wollen?Wolken-1

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