Wie man als Journalist mit Bloggen Geld verdient

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Screenshot des Blogs „My Highlands“ von Stephan Goldmann

Stephan Goldmann ist ausgebildeter Journalist und bezeichnet sich heute als „selbstbestimmten Publizisten“. Denn seinen sicheren Redakteursposten bei der Computerzeitschrift CHIP hat er 2012 aufgegeben, um sich ganz auf seine Blogs konzentrieren zu können. Seit 2003 betreibt der begeisterte Triathlet den Blog  „Triathlon-Tipps“ , seit 2011 einen Reiseblog zu Schottland:„My Highlands“. In der digitalen Welt bekannt wurde er, als er zusammen mit Karsten Lohmeyer  2012 die „Lousy Pennies“ gründete. Seitdem bloggen die zwei Journalisten zu dem Thema: Wie man mit gutem Journalismus im Netz Geld verdienen kann. Stephan Goldmann arbeitet außerdem als Dozent an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München und gibt zusammen mit Karsten Lohmeyer Seminare für Blogger. Beide sind heute als Experten zum Journalismus in der digitalen Medienwelt gefragt. So diskutieren sie am 8. Juni im Presseclub Frankfurt zum Thema: „ Journalismus 2.0 – wie behaupten wir uns in der digitalen Medienwelt?„.

Stephan Goldmann Journalist und Blogger

Stephan Goldmann Journalist und Blogger

B: Du bist gemeinsam mit Karsten Lohmeyer „Lousy Pennies“. Wie seid ihr auf diesen witzigen Namen gekommen?

SG: Der Name geht auf einen Satz von Hubert Burda zurück. Der hat sich 2009 während eines Panels zu neuen Geschäftsmodellen im Netz eingeschaltet und gesagt, das Anzeigenmodell im Netz funktioniere nicht: „You get lousy pennies on the web.“ Da hat er Recht. Werbeeinnahmen betragen im Internet einen Bruchteil von dem, was sie Printmagazinen einbringen. Karsten hat das damals gehört und sich die Domain dazu gekauft. Er hat dann angefangen, unter dem Namen „Lousy Pennies“ zu bloggen. Ich habe 2012 meine feste Stelle bei Chip aufgegeben, obwohl ich dort einen Chefredakteursvertrag hatte. Da haben alle gesagt: „Du spinnst doch.“ Es war der Zeitpunkt, an dem ich merkte, bei Print stecke ich fest, da bleibt mir die Online-Welt versperrt. Ich sagte mir: „Jetzt  durchlaufe ich die digitale Transformation für mich, mit meinen Objekten und gucke, was passiert.“ Mit meinen Blogs „Triathlon-Tipps“ und „My Highlands“ hatte ich bereits gesehen, dass ich auch online Geld verdienen kann. Karsten kam das zu Ohren, und so bin ich bei „Lousy Pennies“ gelandet. Das Erste, was ich dann merkte: „Wir verdienen wirklich „lousy pennies“ mit „Lousy Pennies““. Seitdem verfolgen wir das Thema „Geld verdienen mit gutem Journalismus im Netz“ zusammen.

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Screenshot des Blogs „Lousy Pennies“

B: Viele Journalisten sagen zu Wahrung der Unabhängigkeit: „Profit raus“. Du bist auch Journalist, bietest aber Service auf deinen Seiten an. Bei „My Highlands“ kooperierst du mit Reisebüros, bei „Triathlon-Tipps“ gibst Du Produkttipps. Welchen Ansatz vertrittst Du bei „Lousy Pennies“? Ihr sagt ja ganz proaktiv „Geld verdienen“.

SG: Erstens: ich lasse mich nicht für eine Aussage kaufen. Das macht kein Journalist. Zweitens: es gibt eine technische Abgrenzung zwischen Inhalt und Werbung. Bei Triathlontipps habe ich zum Beispiel drei Einnahmequellen:

  1. Anzeigenwerbung,
  2. Google-AdWords-Anzeigen und
  3. und Amazon.

Das ist für mich eine Art Blackbox. Ich kann nicht direkt beeinflussen, was die Displayagentur an Werbeanzeigen einblendet, das geht automatisch. Die Agentur arbeitet wie eine Anzeigenabteilung. Ich vergebe Platz auf meiner Webseite. Die Agentur verkauft diesen Platz zum Beispiel an Adidas und Adidas spielt dann eine Anzeige auf meiner Webseite aus. Ich habe nur insofern Einfluss darauf, als dass ich anrufen kann und sagen kann, Leute, DIE Anzeige will ich bestimmt nicht haben. In dem Fall kooperiere ich mit den Netzathleten. Das Ganze nennt sich Vertical Networks.

B: Du kooperierst auch mit Google direkt?

SG:  Google ist tatsächlich vollautomatisiert. Da kann ich niemanden anrufen oder bin zu klein, um jemanden anzurufen. Bei Google kann man nicht kontrollieren, ob in Bonn dieselben Anzeigen ausgespielt werden wie in München. Ich vermarkte Anzeigenplatz, genau wie Magazine. Aber als Redakteur kann ich nicht wirklich eingreifen. Und das Dritte, Amazon: wenn ich ein Produkt getestet habe, kann ich den Usern empfehlen, es bei Amazon zu kaufen. ABER: Ich bewerte nicht alle Produkte gut, damit sie auch wirklich bei Amazon gekauft werden.

Screenshot_Triathlon-Tipps

Screenshot des Blogs „Triathlon-Tipps“

B: Du lässt dir Bewertung nicht vorschreiben?

SG: Niemals. Nicht nur aus Gründen des journalistischen Ethos. Ich lasse mich nicht kaufen. Ich bleibe authentisch. Gerade bei Schottland, da steckt viel Liebe drin, und nichts ist schlimmer als enttäuschte Liebhaber.

B: Warum erlaubst du dir als Journalist, mit deinen Blogs auch Geld zu verdienen?

SG: Ich MUSS Geld verdienen – das zum einen. Außerdem interessiert das auch viele Leute: „Wie bekomme ich jetzt Geld für meine Inhalte?“ Bisher war es immer so: Ich gehe zum Auftraggeber und erhalte mein Honorar. Aber wie hat der das Geld verdient? Genauso über Werbung. Focus Online, Stern, Zeit Online, … alle schalten Werbung. Der Kaufpreis einer Zeitschrift oder Zeitung deckt meistens nur den Vertrieb und den Druck. Das heißt, um den Inhalt zu bezahlen, braucht man Werbung. Ich sehe gerade keine große Alternative zur Werbung. Seit 2012 höre ich: „Wenn erst die Paywalls kommen…“ Aber funktionieren die? Ich habe jetzt noch nicht den großen „Hurra“-Schrei gehört. Ganz im Gegenteil, Bildplus sagt: „Anzeigen sind unser Kerngeschäft. Nicht die Inhalte, sondern die Anzeigen. Da kommt das Geld her.“Am ehrlichsten sind Blinke-Blinke-Displayanzeigen, die heute häufig von Adblockern gestoppt werden. Sie sind die Werbeform, die die größte Distanz zwischen Inhalt und Werbung herstellt.

B: „Lousy Pennies“ hat auch immer wieder Sponsoren. Wie läuft das?

SG: Sponsoring kann natürlich auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Zeiss und „GuteFrage.net“ hatten wir als Sponsoren. Da kommt es drauf an:

  1. Was umfasst das Sponsoring? Bei Zeiss und bei „GuteFrage.net“ haben wir richtige Sponsoring-Verträge gemacht und diese auf „lousypennies.de“ ins Netz gestellt. Bei Sponsoring muss man transparent sein und sagen: Das sind unsere Sponsoren, wir haben Folgendes vereinbart…
  2. Zweitens haben wir mit Content Marketing gearbeitet. Die Sponsoren haben Artikel geschrieben und bei uns platziert. Heike Gallery von „GuteFrage.net“ hat viele relevante Tipps an Journalisten weiter gegeben wie „Leute passt auf, so geht ihr mit Trollen um.Ihr müsst keine Angst vor Kommentaren haben.“ Letztendlich hat sie über ihr Wissen oder ihr Können, ihre Marke  bei uns positioniert. Diese Artikel sind deutlich als Anzeige gekennzeichnet. Wir haben sogar vereinbart, dass wir redaktionell eingreifen dürfen, wenn uns ein Artikel nicht passt. So entsteht eine Win-Win-Win-Situation. Die Marke gewinnt, weil sie einen Verteiler für bestimmte Zielgruppen hat. Wir gewinnen, weil wir Geld erhalten. Die Zielgruppe gewinnt, weil sie nicht nur Werbung bekommt, sondern das, was man heute als Content Marketing bezeichnet – Nutzwert. Das ist ein Dreiklang, der funktioniert sehr gut.
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„Bloggen für Einsteiger“: Seminar der „Lousy Pennies“ mit Dozent Stephan Goldmann

B: Ihr verdient jetzt „lousy pennies“ mit „Lousy Pennies“?

SG:  Alle drei Projekte „My Highlands“, „Triathlon Tipps“ und „Lousy Pennies“ werfen ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Das wesentlich Wichtigere, was wir mit „Lousy Pennies“ erreicht haben, ist eine persönliche Markenbildung mit Folgeaufträgen. Es ist genauso, wie Johanna Bayer es erlebt hat, die auf ihrem Blog „quarkundso.de“ keine Werbung macht. Sie hat aber mit ihrem Blog online eine gewisse Bekanntheit erreicht und sich zu einer Marke gemacht. Das ist wichtig für  Journalisten. Bekannt und gesehen zu werden. Als ich 2012 aus dem Verlagwesen ausgestiegen bin, hat mich kein Mensch gekannt – außer ein paar Microsoftpressesprechern. Und innerhalb von drei Jahren habe ich plötzlich Kontakte mit Kollegen geknüpft, die mir früher verbaut waren. Da ist Jochen Wegner, der auch bei der Tomorrow Focus AG unterwegs war. Mit ihm habe ich mich jetzt schon auf einigen Konferenzen gut unterhalten. Genauso habe ich Anita Zielina und andere Online-Journalisten kennen gelernt. Es ist wichtig sich auszutauschen und über eine Blogging-Community ist das plötzlich einfach.

B: Wie hast Du angefangen zu bloggen?

SG: Als ich 2003 mit “Triathlon-Tipps“ anfing, hatte ich keine Ahnung. Dann habe ich die ersten kleinen Anzeigen auf „Triathlon-Tipps“ geschaltet und gesehen: “Oh, da kommt ein bisschen Geld rüber, was gibt es noch für Möglichkeiten?“ So habe ich mir mein Wissen Stück für Stück erarbeitet. Alles parallel zu meiner Festanstellung, die damals  ein guter Schutz war für mich war.

Stephan Goldmann der Triathlet

Stephan Goldmann der Triathlet

B: Warum bloggst du?

SG:  Der prototypische Blogger ist von Passion getrieben, von einem inneren Sendungsbewusstsein und er weiß, er muss jetzt was bloggen, es will aus ihm heraus. Das ist der beste Antrieb beim Bloggen. Bei Schottland und „Triathlon-Tipps“ ist es bei mir Passion. Leidenschaft für Schottland und für den Sport Triathlon. Ich glaube, jeder Mensch hat mehrere „Personas“. Bei „My Highlands“ und „Triathlon-Tipps“ schreibt meine Hobby-Persönlichkeit und bei „Lousy Pennies“ meine Bloggerprofi-Journalisten-Persönlichkeit, meine Publizisten-Persönlichkeit. Für den Triathlon als Sport hab ich jetzt leider keine Zeit mehr und arbeite gerade an einer Lösung, wie ich „Triathlon-Tipps“ gut weiterführen kann. Ich habe bereits eine Minijobberin, eine Journalistin, angestellt. Dadurch haben wir neue interessante Inhalte. Die Besucherzahlen und die Einnahmen steigen wieder, ich bin da guten Mutes.

B: Was ist das Besondere an deinen Blogs?

SG: Ich versuche immer Nutzwert und Servicecharakter miteinzubringen. Bei „My Highlands“ zum Beispiel: Wie wechsle ich Geld? Welche Route nehme ich? Und ich erzähle Geschichten. Hinter jeder Sehenswürdigkeit in Schottland steckt eine Geschichte, die arbeite ich heraus. Dabei erzähle ich persönlich: wie es mir  erging, ob ich den Ort gut oder schlecht fand, was mich begeistert hat, und wie die Atmosphäre war. Ich beschreibe keine Orte, an denen ich nicht war. Bei „Triathlon-Tipps“ ist es ganz klar Servicejournalismus, nur Tipps. Der Name ist Programm: Alles was den Triathleten besser macht. Bei „My Highlands“ und „Triathlon-Tipps“ spielt die Suchmaschine Google eine große Rolle. Hier laufen die Zugriffe über den Service. Das heißt, die User geben bestimmte Suchbegriffe ein, die sie zu meinem Blog bringen. Ich begeistere die Leser, indem ich gute Serviceartikel schreibe und die schauen dann:“Was gibt es denn da noch?“ Hier kommt auch Interaktion ins Spiel. Leser schreiben Kommentare, wollen wissen: Fahr ich links oder rechts, wenn ich in Schottland bin? Wenn sie merken, der Autor ist begeistert und hat Ahnung, diskutieren die Leser. Der Blog „Lousy Pennies“ hat auch einen starken Servicecharakter. Die Blogartikel dort verbreiten sich stark über Social Media Plattformen.

B: Was war dein erfolgreichster Blogartikel?

SG:  Es hängt davon ab, wie man Erfolg definiert. Ich habe einen Artikel über Storytelling geschrieben und damit „nur“ 500 Leser erreicht. Allerdings waren mir diese 500 interessierten Leser und ihre Kommentare wichtig. Insofern war das ein erfolgreicher Blogartikel. Wir haben andere Artikel geschrieben, die haben 30.000 Leser erreicht haben. Sehr erfolgreich war in letzter Zeit der Artikel „Redakteure, die heute immer noch Texte abgeben, finden morgen keinen Job mehr“. Der Artikel war auf Krawall gebürstet, aber Klappern gehört zum Geschäft. Für den Hinterkopf: Bei einem Magazin trägt das Titelthema das ganze Heft. Beim Blog sind die Artikel entbündelt und jeder hat die Chance, großartig zu sein und 10.000 Leute zu erreichen oder ganz schlecht zu sein und nur zwei Personen zu erreichen.

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Stephan Goldmann bloggt auf „Lousy Pennies“ zu brandaktuellen Themen.

B: Deckst du mit deinem Blog Nischen ab?

SG: Ja. Das sind alles extreme Nischen.

  • Die eine Nische ist Triathlon. Der Sport hat dann einen ziemlichen Boom hingelegt.
  • Schottland ist auch eine Nische, die jetzt durch die Serie „Outlander“ gepusht wird.
  • Und „Lousy Pennies“ ist auch eine Nische, wir Journalisten sind eine Nische.

B: Was würdest du Kollegen raten, die auch bloggen wollen?

SG: Es zu tun. In unseren Seminaren gibt es immer wieder die sogenannten Kopfblogger. Journalisten, die mit dem Gedanken spielen zu bloggen, es aber nicht tun. Wir sagen immer: „Ehrlich, am Anfang wird euch sowieso kaum jemand zuhören.“ Und das ist gut, so kann man erst einmal Erfahrung sammeln und sich die Möglichkeit geben, öffentlich sichtbar eine Lernkurve hinzulegen. Das wird verziehen. Das verzeiht man einem Verlag nicht, wenn er ein Schriftheft auf den Markt bringt.

B: Möchtest du noch was Wichtiges hinzufügen? Den Lesern mitteilen?

SG: Ein kleines Resümee: Nachdem ich 2012 angefangen habe, mich über Blogplattformen finanziell aufzustellen, kann ich sagen, es funktioniert. Aber reich wird man nicht. Es ist trotzdem gut, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Geld im Internet erwirtschaftet wird. Verlage leben von diesem Verständnis. Das Gleiche gilt auch für die Vermarktung bei Facebook und Twitter oder wie man Inhalt für die Suchmaschine aufbereitet. Content Marketing ist die Schiene, in die jetzt sehr viele Journalistenkollegen abwandern können. Verlage suchen händeringend Experten. Das kann man durch einen eigenen Blog lernen und als Arbeitsnachweis einbringen. Geld verdienen läuft nicht allein über die Werbung, sondern der Blog dient als Arbeitsnachweis mit Auftragscharakter in Richtung Content Marketing. Also, schärft die Federn im Blog!

Das nächste Seminar „Bloggen für Einsteiger“ findet am 22. bis 23. Oktober 20016 im Presseclub München statt.

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Der „Anti-Medien-Blog“ von Micha Hektor Haakötter

Der "Anti-Medien-Blog" von Micha Hektor Haarkötter

Screenshot des „Anti-Medien-Blogs“ von Micha Hektor Haarkötter

Der zweite Blog, den ich vorstelle, ist der Anti-Medien-Blog von Micha Hektor Haarkötter. Was Hektor macht, macht er mit Leidenschaft. 20 Jahre hat er für  öffentlich-rechtliche Sender und Arte gearbeitet. Für seine journalistischen, filmischen und medienkritischen Arbeiten ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Er verfasst Büchern, Aufsätzen und Artikeln und schreibt fürs Kabarett. Und was kaum einer weiß: Hektor ist leidenschaftlicher Pianist. Seit 2011 arbeitet er hauptsächlich wissenschaftlich und ist Journalistik-Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln. Stiller ist er nicht geworden. Als Blogger legt Micha Hektor Haarkötter seine eigene Zunft unter die Lupe und riskiert auch gerne einmal eine Abmahnung.

Starten wir mit der klassischen Frage: Warum hast Du angefangen zu bloggen?

Ich habe 2007 für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ein Buch geschrieben. Das hieß „Abschalten – das Anti-Medien-Buch“. Darin habe ich medienkritische Positionen von Platon bis heute Revue passieren lassen. Der Verlag wollte einen zweiten Band auflegen, was dann nicht klappte. Wir haben dann etwas Literarisches gemacht. Dafür hatte ich jedoch fleißig Material gesammelt und fragte mich, was machst Du jetzt damit? Da kam mir eine Idee: ich schreibe den Blog zum Buch – den „Anti-Medien-Blog“. Es ist ein klassischer Weblog, ein Webtagebuch.

Worüber bloggst Du?

Ich selber nenne es ein medienkritisches Antidepressivum, denn der Blog hat eine gewisse satirische Note. Ich picke kuriose und manchmal auch ärgerliche Fundstücke aus dem Medienalltag auf und setze mich damit teils subjektiv, teils objektiv und teils satirisch auseinander. Ich kommentiere meine Fundstücke. Denn die Kommentarfunktion ist eine ganz wichtige in der Blogosphäre.

Was ist das Besondere an Deinem Blog?

Das Besondere ist vielleicht, das ich den Blog komplett alleine mache, da schreibt kein anderer mit. Das ist ein ganz persönliches Webtagebuch mit der persönlichen Note, die ein Tagebuch hat. Es ist vom Kenner für Kenner. Man muss Spaß an Sprache habe und ein bisschen um die Ecke denken. Erfolgreich bin ich in bestimmten Kreisen – natürlich in Kollegenkreisen – Kollegen lieben nichts mehr als Schocktalk und das mache ich weidlich. Ich nutze meine Insidersicht aus und erzähle, was ich selbst als Medienschaffender erlebe und erlebt habe. Plaudere da vieles ganz offenherzig aus und das scheint in Kollegenkreisen und erweiterten Kollegenkreisen anzukommen. Der Blog ist nicht so populär wie irgendwelche Koch-, Food- oder Modeblogs. Das ist auch nicht der Anspruch. Das ist eine kleine elitäre Geschichte, wo Leute sich wiedererkennen oder auch ärgern können.

Micha-Hektor-Haarkötter

Im „Anti-Medien-Blog“ von Micha Hektor Haarkötter weht bisweilen ein rauer Wind.

Würdest Du Dich als Medien-Experte bezeichnen?

Ja, das kann man sagen. Ich beschäftige mich von morgens bis abends mit nichts anderem als mit Medien, da wird man das zwangsläufig, ob man will oder nicht.

Du bist kritisch, nimmst kein Blatt vor den Mund, macht es Dir Spaß, Dich ein bisschen an den „Autoritäten“ des Medienlebens zu reiben?

Das ist sicher eine ganz wichtige Charaktereigenschaft von Journalisten und Journalistinnen. Man sollte sich kritisch mit der Umwelt und der Gesellschaft auseinandersetzen. Das machen nur wenige Journalisten. Irgendwie ist das ein wenig abhandengekommen. Ein Grund mehr das es ein Anti-Medien-Blog geben muss, um immer wieder darauf hinzuweisen. Aber es ist kein Blog, der Krawall um des Krawalls Willen macht. Ich versuche zum Teil mit relativ subtilen Argumenten zu zeigen, warum ich Sachen nicht richtig finde. Und damit ist es ein Watchblog. Ich finde es ganz wichtig, die Medien zu beobachten. Denn die Medien prägen die Gesellschaft, prägen die Demokratie, um einmal ein großes pathetisches Wort zu benutzen. Entsprechend wichtig ist es, sie kritisch zu begleiten. Und zur Kritik gehört, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, sonst ist es keine Kritik.

Hast Du als Blogger schon einmal eine Abmahnung bekommen?

Ja, in der Tat habe vom WDR Redakteur Roman Stumpf eine Abmahnung bekommen. Der habe ich sogar stattgegeben, den Blogpost habe ich zum Teil rausgenommen und auch deutlich entschärft. Das aber nicht, weil ich Angst vor einer juristischen Auseinandersetzung gehabt hätte, die wäre ich noch eingegangen. Aber es war nicht meine Geschichte. Es war die Geschichte eines langjährigen sehr lieben Kollegen Tim van Beveren, denn ich schon lange kenne. Ich sah mich als sehr periphere Figur in diesem Streit.

Der Blogger Hektor Haarkötter nimmt kein Blatt vor den Mund.

Der Blogger Hektor Haarkötter nimmt kein Blatt vor den Mund.

Was war Dein erfolgreichster Blogartikel?

Das war ganz kurios. Der erfolgreichste Blogartikel, den ich je in meinem Blog veröffentlicht habe, berichtet über die ehemalige Moderatorin der Vox-Sendung „Prominent“. Das war am 3. August 2010. Ich habe mich in dem Blogartikel darüber lustig gemacht, dass diese Frau wohl einen Unterleib, aber keinen Oberleib hat, weil sie durfte nie sprechen. Es war eine Moderatorin, die nicht moderiert hat. Die man immer nur schweigen sah, ein Kuriosum der Mediengeschichte. Dieser Blogbeitrag hat bis heute regelmäßig bis 100 Klicks. Was am Promistatus dieser Frau liegt. Wenn Leute bei Google Constanze Rick eingeben, dann kommen sie relativ schnell auf meinen Blogeintrag.

Dein Blog ist allgemein erfolgreich, wieviel Leser hast Du?

Mein Blog ist nicht der am meisten geklickte Blog in der Blogosphäre. Ich habe  am Tag zwischen 100 und 300 Leser. Sehr erfolgreiche Blogbeiträge haben mal ein paar Tausend Leser. Das war es dann. Ein Blogbeitrag wird übrigens nicht erfolgreich, weil ich ihn denn so toll geschrieben habe oder über Facebook verbreitet habe, sondern wenn bestimmte andere Blogs den Beitrag verlinken. Wenn der „Bild“-Blog darauf verweist, werden meine Blogbeiträge stark gepusht. Dann habe ich schnell mal 4000 Klicks. Was darauf hindeutet, wie unfassbar erfolgreich der „Bild“-Blog sein muss. Enorm wie diese Vernetzung und Verlinkung funktioniert.

Wie häufig stellst Du einen Blog-Beiträge ins Netz?

Am liebsten einmal die Woche, aber das schaffe ich nicht, denn ich habe noch andere Blogs und einen Beruf. Mindestens einmal im Monat schaffe ich locker und häufig auch mehr. Drei oder vier Beiträge die Woche wie bekannte Blogger, die nichts anderes zu tun haben, das bekomme ich nicht hin.

Deckst Du mit Deinem Blog eine Nische ab?

Es gibt wahnsinnig viele Food- und Modeblogs, Medien-Blogs – oder Watch-Blogs, wo Leute bemerkenswerte Arbeit leisten. Bei manchen Portalen kann man sich streiten, ist das noch ein Blog oder schon ein Online-Magazin. Ich erwähne mal Meedia, wo ganze Redaktionen dahinter stecken. Ich schätze vom Holger Kreymeier aus Hamburg fernsehkritik.tv. Der „Videoblog“ setzt sich sehr kritisch mit dem Fernsehprogramm auseinander. Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“richtet einmal im Jahr im Sommer mit dem Deutschlandfunk das „Kölner Forum für Journalistenkritik“ aus. Wir laden Medienblogger, Watchblogger und Medienjournalisten ein. Das sind Leute, die kleine feine Sachen machen, schön geschrieben, süffisant, ein bisschen ironisch, ein bisschen frech, aber immer kritisch. Auf der Veranstaltung vergeben wir auch den „Günther-Wallraff-Preis“ für Journalismus-Kritik.

Kölner Forum für Journalismuskritik 2015: Podium (v.l.n.r.): F. Olbert (Kölner Stadtanzeiger), Petra Werner (TH Köln), Birgit Wentzien (DLF), Peter Ludes (INA) & Walter van Rossum (Publizist)

Kölner Forum für Journalismuskritik 2015

Welche Funktion erfüllt Dein Blog für Dich?

Ich verdiene nichts damit. Ich habe realistisch gesehen eher Nachteile als Vorteile, denn man wirkt auf etwas simpler gestrickte Menschen im Medienbetrieb wie ein Nestbeschmutzer. Damit muss man sich dann als Kritiker abfinden, dass manche Leute, es nicht toll finden kritisiert zu werden. Damit kann ich gut mit leben. Aber mir scheint, dass ich eine Stimme habe und da ich regelmäßige Leser habe, spricht alles dafür.

Hast Du schon Auszeichnungen erhalten?

Ich war einmal nominiert für den Grimme-Online-Award, gewonnen habe ich ihn aber dann trotzdem nicht. Aber ich habe mich damals gefreut, weil ich keine Ahnung hatte, wer mich vorgeschlagen hat. Ich kümmere mich aber sonst nicht proaktiv drum. Das ist ein bisschen mein Privatvergnügen, dieser Blog.

Was würdest Du Kollegen raten, die auch bloggen wollen?

  • Wenn Du etwas zu sagen hast, dann blogge.
  • Mach und warte nicht.
  • Mach es, wenn möglich, in der Anfangsphase regelmäßig.
  • Je nach thematischem Zuschnitt oder wenn Du mit dem Bloggen etwas verdienen möchtest, blogge auf Englisch. Das hängt natürlich extrem vom Thema ab, aber es gibt viel mehr Menschen auf diesem Globus, die Englisch verstehen als Deutsch.

Die Blogosphäre bricht die journalistische Macht. Früher brauchtest Du mindestens eine Lokalredaktion, ein Verlagshaus, einen Sender, eine kleine Radiostation oder ein alternatives Bürgerprojekt, um überhaupt eine Meinung oder eine Geschichte publizieren zu können. Das ist heute nicht mehr so. Die Blogosphäre ist es eine große Nische, die sehr viel Freiheit bietet, allerdings muss man diese Freiheit auch in Anspruch nehmen. Es ist nichts mehr dabei, einen WordPress-Blog aufzusetzen. Wenn man sich ein kleines bisschen damit beschäftigt, kann man den sogar ganz hübsch machen und es macht Spaß. Und wer nichts zu sagen hat, soll bitte den Mund halten.

Gibt es noch etwas, was Du zu Deinem Blog sagen möchtest, was Dir wichtig ist?

Ich freue mich, wenn Leute meine Beiträge kritisch lesen und kritisch kommentieren, denn dazu ist ein Blog auch da.

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Der Blog „Quark und so“ von Johanna Bayer

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Screenshot des Blogs „Quark und so“ von Johanna Bayer

Der erste Blog, den ich vorstelle, ist „Quark und so“. Blogger Johanna Bayer ist Wissenschaftsjournalist und beschreibt sich so: „Isst, seit sie denken kann. Denkt, seit sie essen kann.“ Sie hat viele Jahre Fernsehen gemacht, vor allem bei WDR und ARD, sich auf Ernährungsthemen spezialisiert und Ende 2014 ihren Blog gestartet. Darin nimmt sie ihre eigene Zunft aufs Korn und schreibt über den Umgang der Medien mit Ernährungsthemen, Motto: „Was die Medien anrichten“. Ihr erster Beitrag ging bundesweit durchs Netz, inzwischen hat sie 20.000 Besucher pro Monat auf ihrem Blog und sogar Auszeichnungen in der Szene bekommen – für sie selbst eine Überraschung.

Warum hast Du angefangen zu bloggen?

„Da kamen mehrere Impulse zusammen, von innen und von außen. Ich wollte gerne über Essen schreiben, nicht nur Fernsehen machen, weil im Fernsehen die Darstellungsmöglichkeiten zu speziell sind. Und mehrere Leute, Du ja auch, sagten: „Du musst endlich ins Internet, das ist genau das Richtige für Dich“. Erst wollte ich nicht, ich fand Facebook und Twitter doof. Aber als ich mich etwas mit den sozialen Medien und Blogs beschäftigt habe, dämmerte mir, dass das eine tolle Möglichkeit ist.

Was ist das Besondere an Deinem Blog?

„Der Ansatz ist, dass ich nicht einfach über Ernährungsthemen schreibe. Sondern ich analysiere Print-, Radio und Fernsehbeiträge, die darüber berichten, schaue mir die Argumente an, reflektiere, was die dazu sagen und wie sie das Thema aufbereiten. Das kann positiv oder kritisch sein. Es gibt bei mir keine Rezepte, keine stylischen Food-Fotos und keine Tipps, das steht ausdrücklich auf meinem Blog. Quarkundso.de ist eine Kombination aus Medienkritik und Ernährungswissen, so eine Art Watch-Blog. Dabei versuche ich, bei aller Kritik witzig und unterhaltsam zu sein, ungewöhnliche Informationen zu liefern. Besserwisserei über Essen und bloßes Genörgel an den Medien können sonst schnell nerven, finde ich.“

Du bist gleich mit Deinem ersten Blogbeitrag sehr erfolgreich gewesen. Woran lag das?

„Der erste Artikel war natürlich prominent, weil er zu einer Sendung von ´Hart, aber fair´ war. Die haben einen dicken journalistischen Fehler gemacht: Sie haben ein PR-Material vom Vegetarier-Bund in einer Sendung verwendet, ohne die Quelle zu nennen. Ich kannte dieses Video, weil ich selbst eine Vegetarier-Sendung für den WDR gemacht habe. Das habe ich aufgedeckt, der Beitrag ist sofort von Leuten geteilt worden, die eine große Reichweite bei Twitter haben und so beim bundesweiten Mediendienst ´turi 2´ gelandet. Der hat getitelt: „Plasberg mit PR-Material erwischt!“. Die Redaktion ´Hart, aber Fair´ hat dann in ihrem Fakten-Check den Fehler zugegeben und sich entschuldigt.“

Johanna Bayer und Ihr Blog "Quark und so"

Bloggerin und Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer ist mit Ihrem Blog „Quark und so“ auf Erfolgskurs.

Würdest Du Dich als Expertin bezeichnen?

„Ich kann mich nicht selbst als Expertin bezeichnen. Das müssen andere Leute tun. Aber ich kenne mich schon ganz gut aus auf beiden Gebieten, also mit den Medien und beim Essen. Das spiegeln mir Leute zurück, und ich kann bei Fachdiskussionen auf Augenhöhe mitreden.“

Hast Du beim Bloggen eine Lücke entdeckt?

„Scheinbar schon. Ich habe mir das vorher natürlich angeguckt und festgestellt, nein, so etwas gibt es noch nicht. Ich wollte ein eigenes Profil haben. Foodblogs mit Bildern von puderbestäubten Törtchen gibt es Tausende. Das bin ich nicht. Und ich bin auch keine Ökotrophologin, die die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung runterbetet und zu mehr Obst und Gemüse rät. Dazu gibt es ja auch viele Angebote.“

Ist der Blog Dein Aushängeschild geworden?

„Ja, der Blog ist definitiv inzwischen eine Visitenkarte für mich im Netz. Leute kommen auf mich zu und sagen, der Blog und die Schreibe hätten sie überzeugt. Meine Auftraggeber lesen die Beiträge auch regelmäßig, und mir folgen auch einige Fachleute auf Twitter und auf dem Blog.“

Verdienst Du Geld über den Blog?

„Nein. Ich habe keine Werbung auf dem Blog und verkaufe und teste keine Produkte. Das geht als Journalistin auch nicht. Ich wollte einfach meine Haltung zeigen und eine Präsenz im Netz haben. Das gelingt.“

Ich fasse mal zusammen, wie Dein Blog dasteht, nach anderthalb Jahren:

Macht Dich das als Blogger stolz?

„Ja, schon. Ich habe das so überhaupt nicht erwartet, nach der kurzen Zeit. Vor allem, weil am Anfang viele zu mir sagten: „Du wirst Dich böse in die Nesseln setzen mit Deinem Konzept. Außerdem machst Du keine Bilder, bietest keinen Service, keine Videos, und schreibst viel zu lange Texte – das wird nichts.“

Was würdest Du Leuten raten, die auch bloggen wollen?

„Irgendetwas muss man gut können, und es muss einem leicht fallen. Sonst bringt man die Zeit nicht auf, die das Bloggen braucht – und Bloggen kostet eine Menge Zeit. Ansonsten hatte ich das Glück, dass ich in München in ein Seminar der genialen Lousypennies gehen konnte, Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann.  Das war das Beste für den Start. So etwas würde ich jedem empfehlen, um sich über das klar zu werden, was man will und seine Idee zu schärfen.“

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Erfolgreich bloggen!

Erfolgreiche Blogs sind faszinierend. Deshalb begebe ich mich auf Spurensuche:  Was macht einen guten Blog aus? Und was muss man als Blogger beachten, um erfolgreich zu sein?

Ich frage Leute, Kollegen und Journalisten, die irgendwann selbst angefangen haben zu bloggen.

Heute startet somit eine Reihe, in der ich erfolgreiche Blogger interviewe. Ich frage nach, wie es läuft, wohin die Reise geht und was Ihnen das Bloggen bringt. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf Bloggern, die aus dem journalistischen Umfeld kommen und anspruchsvolle Inhalte produzieren.

 

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Facebook-Aktion bewegt das Rheinland: Kölner feiern Karneval in Düsseldorf

Beatrix von Kalben

Die Facebook-Veranstaltung „13. März Rosenmotagzug Düsseldorf: Mir kumme mit allemann vorbei“ bringt die Gemüter in Köln und Düsseldorf in Wallung. Die seit dem Mittelalter bestehende Rivalität der beiden rheinischen Städte befeuert die Aktion. Hier zeigt sich wieder wie stark das Geschehen auf Social Media Plattformen inzwischen Menschen bewegt und die Gegenwart prägt.

So begann es: In der Facebookveranstaltung „Mir kumme mit allemann vorbei“ hat der Karnevalist Denis Welter, Betreiber der Facebookseite „Karneval Köln“, die Kölner aufgerufen zum Zug nach Düsseldorf zu pilgern. Gemeinsam sollen Kölner und Düsseldorfern am 13. März den wegen des Sturms abgesagten Rosenmontagszug nachholen und den Düsseldorfern zeigen, wie Karneval richtig funktioniert. Diese Initiative begeistert inzwischen fast 15.000 Jecken, knapp 4000 Kölner wollen in rot-weiß gekleidet in die verbotene Stadt reisen und feiern.

Facebook-Veranstaltung geht viral

Die Veranstaltung ging viral: Fernsehen und Zeitungen berichten. Das Festkomitee Kölner Karneval fungiert allerdings als Spaßbremse. Es unterstellt Denis Welter in einer am 16. Februar Pressemitteilung Häme und stellt klar: „Das Festkomitee Kölner Karneval wird jedoch nicht in Düsseldorf mit Aktionen in Erscheinung treten, denn am Aschermittwoch ist nun einmal alles vorbei.“ Dagegen funktioniert der Austausch mit den Düsseldorfern prima. Welter berichtet: “In der kommenden Woche wird kommuniziert, wann und wo die Kölner sich treffen. Übrigens finden die Düsseldorfer die Aktion im Gegensatz zu den Kölner Kollegen sehr gut. Es wird sogar eine kölsche After Zoch Party in Düsseldorf geben.“

Der Düsseldorfer Wagenbauer Tilly überlegt sogar, ob er nicht einen Themenwagen zu dieser Aktion entwerfen solle. In einem Beitrag der Aktuellen Stunde stellt Denis Welter klar, er habe mit den Düsseldorfern Mitgefühl gehabt, als deren Rosenmontagszug ausgefallen sei. Von Häme keine Spur. Er ist der Meinung, in einer Notsituation müssen die Jecken über alle Grenzen hinweg zusammenrücken. Und so macht Welter ein großes Zugeständnis: er werde sogar Alt-Bier trinken, nur beim „Helau“ höre die Kollegialität auf, da müsse er beim kölschen „Alaaf“ bleiben.

Facebook machts möglich – oder Köln und Düsseldorf söhnen sich aus?

Wie geht es weiter? Welche Stilblüten die Facebook-Aktion „13. März Rosenmontagszug Düsseldorf: Mir kumme mit allemann vorbei“ noch treibt, bleibt abzuwarten. Bis zum 13. März haben Köln und Düsseldorf noch hinlänglich Zeit, um die Fans des rheinischen Karnevals über die sozialen Netzwerke aufzurütteln. Zum Glück ist die Reise von Köln nach Düsseldorf nicht weit…

Up date: Der neueste Gag

Die Kölner haben unter der Regie von Denis Welter ein T-Shirt auf den Markt gebracht, dass die in Düsseldorf feiernden Kölner „kenntlich“ macht. Dabei wurden „Alaaf“ und „Helau“, die Karnvalsschlachtrufe in Köln und Düsseldorf, einfach fusioniert. Düsseldorf und Köln schunkeln sich zusammen.

Helaaf T-Shirt für jecke Kölner, die am 13. März in Düsseldorf, den dort ausgefallenen Zug nachhoeln

Helaaf-T-Shirt für Kölner, die am 13. März zusammen mit den Düsseldorfern den Rosenmontagszug nachholen

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Social Media – ein Überblick

Beatrix von Kalben

Wir liken und sharen, wir kommentieren, retweeten und faven. Wir pappen unsere Lieblingsschuhe und unser Essen an die Pinwand von Instagram. Und seit Erfindung des Selfie-Sticks beamen wir uns zu jeder Zeit an allen Orten der Welt mit Selfies im Netz. Selbst Angie lässt sich mit Poldi nach dem Sieg per Selfie verewigen.

Merkel und Poldi

Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, Yelp, Pinterest oder YouTube … stellen die professionelle Kommunikationsarbeit vor beständig neue Herausforderungen. Das klassische Sender-Empfänger-Modell hat ausgedient. Heute twittern, posten und bloggen Milliarden Menschen zu jedem x-beliebigen Thema an allen Orten der Welt: in der U-Bahn, im Café… Fans, Follower oder Freunde gestalten im Social Web aktiv Inhalte.

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Kommunikation vor neuen Herausforderungen

2016 ist es keine Frage mehr, ob Unternehmen oder Promis auf den Social Media Plattformen vertreten sind, sondern nur noch wie sie vertreten ist. Zielgerichtetes Social Media Marketing ist ein heute wesentlicher Erfolgsfaktor der internen und externen Kommunikation.

Die 1999 geäußerte These „Märkte sind Dialoge“ ist Wirklichkeit geworden. Für Unternehmen, Organisationen und Verbände hat das Folgen: Zunehmend wird die zielgerichtete Nutzung der passenden Social-Media-Kanäle zu einem Erfolgsfaktor der internen wie externen Kommunikation.

Social Media leicht gemacht

  • Den Fans und Followern bietet man das magische „Mehr“.
  • Interessant wird die Seite durch das individuelle „Plus“ auf dem Markt.
  • Botschaft und Zielgruppen müssen passen.
  • Nicht jede Social Media Plattform ist für jedes Unternehmen sinnvoll.
  • Mit einem kleinen Redaktionsplan wird Ihre Social Media Aktivität nicht zum Zeitfresser.
  • Social Media Guidelines regeln das Verhalten im Social Web.
  • Als Social Media Aktivist arbeitet man transparent, authentisch und großzügig.

Im Social Web gilt: Wer gibt, gewinnt. Der Rest ergibt sich zumeist – fast – immer von selbst.

Das Video ‘Social Media Revolution 2015’ verdeutlicht das Gesagte auf beeindruckende Weise.

Nächstes Mal: Blogs, Foren, Facebook… ein Überblick. 🙂

 

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Es war einmal … der WDR

Es war einmal … der WDR

Mit den ersten drei Worten der Überschrift fangen Märchen an. Zum Vorlesen. Für die Kleinsten. Mit Einschlafeffekt.

Einschlafgarantie für die Großen leistet das Programm der oben anschließend erwähnten Sendeanstalt. Okay, nachdem ich diesen „Witz“ über die Qualität des Programms bedient habe, nun zum Eigentlichen.

Der WDR schafft sich ab

Und das mit entschlossenem Tempo. Er veräußert sein „Tafelsilber“, Kunstobjekte, um an Geld zu kommen. Etwas, worüber im Fall der WestLB investigativ in den Nachrichtensendungen des WDR berichtet wurde. Dies ist aber nur eine Marginalie im Vergleich zum echten Tafelsilber, das er allerdings nicht verkauft, sondern gewissermaßen wegwirft: die Mitarbeiter.

Seit mindestens fünf Jahren weht ein zunehmend kalter Wind durch die engen Gänge der WDR-Gebäude. Dies wurde durch die interne Dienstanweisung, dass sich doch bis zum Novemberende letzten Jahres 500 Kollegen „freiwillig“ zum vorzeitigen Abgang melden sollten, verstärkt. Üble Ansage gefolgt von mieser Stimmung.

Noch schlimmer trifft es die freien Kollegen: Reporter, Produzenten. Die eigentlichen Macher des Programms. Anscheinend benötigt der WDR kein Programm mehr. Zumindest kein aktuelles, kein kreatives mehr. Ist vielleicht logisch, verfügt er doch über ein reichhaltiges Archiv. Das Fernsehen könnte ja zunächst die Programme der 60er Jahre wiederholen. Gewissermaßen als Qualitätsoffensive. Denn dann wäre der WDR wieder unterscheidbar im Querzapping-Sender-Einheitsbrei. Vielleicht auch ein Tipp für den Hörfunk. Zugegeben, die gewählte Sprache der Wortbeiträge aus dieser Zeit gruselt eher. Nicht weniger gruselig ist aber das auf Stromlinienform gebrachte Programm „des Senders“ WDR2: drei Songs von James Blunt in Dauerschleife (very-heavy-rotating), die Themen Wetter, Fußball und „WDR2 für eine Stadt“ – fertig ist der Dudelfunk. (Doch an diesem Thema sollte sich ein anderer Blogbeitrag abarbeiten.)

Die Redaktionen wurden und werden nie richtig mitgenommen. Es gab und gibt immer nur Weisungen von oben, die Entscheidungen gründen auf – nur scheinbar konkreten – Vokabeln wie „Quote“, „Kennzahlen“ und natürlich „jünger“. Wo wurden bei solchen Ansagen zur Programmstromlinienförmigkeit die Freien und deren Kreativität abgefragt? Wie insbesondere die Freien vom Dienstherren WDR behandelt werden, dafür gibt es nur eine Vokabel: illoyal.

Sendungen weg

In den Magazinsendungen und in den aktuellen regionalen Programmen wird schon seit einiger Zeit zusammengestrichen. Dann fallen ganze Sendungen weg, im TV etwa „Hier und Heute“ oder „Cosmo-tv“.

Der WDR wirft anscheinend auch im hohen Bogen eine seiner Kernkompetenzen über Bord: den Wissenschaftsjournalismus. Bei dieser Institution mit langer Tradition wird die Kettensäge angesetzt. Tom Buhrow verrät seine ignorante Haltung, wenn er den Wissenschaftsjournalismus „Nische“ nennt. Prompt formiert sich eine Netzgemeinschaft unter der Protest-Website „keine-nische“ und die Facebookgruppe „Rettet #nano!„. Es regt sich Widerstand, unterstützt von den Gewerkschaften ver.di und DJV. Und außerdem hat doch glatt jemand eine Seite eingerichtet, die brisante Interna preiszugeben verspricht: WDRLeaks. Prima, dachte ich, jetzt erfahre ich beispielsweise endlich, was an den vielen über die Jahre auf dem Flurfunk gehörten Gerüchten über allerlei Klüngeleien stimmte. Hm, und dann stellte sich WDRLeaks selbst ein. Tja, dann war wohl nichts dran an den Klüngelgerüchten. Stimmt ja, Klüngel gibt’s nicht, schon gar nicht in Kölle.

Danke für die schönen Jahre

Ich bin „ein Kind des WDR“, nach einem motivierenden Schnupperkurs beim SWR dann über die Jahre meiner Mitarbeit vom Kölner Großsender geprägt worden. Mir wurde insbesondere journalistisch ein hoher Anspruch vermittelt. Auf der angstvoll-krampfhaften Quotensuche der meisten Redaktionen (eigentlich aller, denn leider ist WDR-intern untereinander ein eifersüchtiges Rechtfertigungsklima entstanden) hat man in jüngster Zeit mittlerweile aber fast alle Ideale über Bord geworfen, dimmt nun das Niveau der Sendungen mit billigen Effekten zugunsten der Anbiederung an eine willkürlich definierte Altersgruppe. Das Programm soll „jünger“ werden.

Dazu müssen auch die „alten“ Mitarbeiter gehen. Einen Turn, eine Ablösung gab und gibt es in jedem Unternehmen – ein normaler Prozess. Allerdings geht er innerhalb der letzten Jahre wirklich rasant. Aber nicht etwa, weil die „nachwachsenden Jungredakteure“ das forcieren und in die Redaktionen drängen oder weil entsprechend junges Publikum ein besonders auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Programm jetzt unbedingt haben muss. Nein, es liegt am Internet und seinen stark gewachsenen Datenübertragungsraten. Und damit dem veränderten Informations- und Unterhaltungskonsum aller. Gut, natürlich besonders dem der jungen Menschen. Denen muss man, so die Idee der Entscheidungsträger in den ARD-Anstalten und insbesondere im führenden WDR, das lineare Programm doch schmackhaft machen können. Hallo, geht’s noch? Die vermeintliche Zielgruppe schert sich „einen feuchten …“ um euer TV- oder auch Radioprogramm. Insbesondere Fernsehen funktioniert in Zeiten von On-demand nicht mehr. Es ist also keine Frage von „jung“, sondern von „digital“.

Das Denken der WDR- und auch ARD-Oberen ist immer noch Daumen-bestimmt. Sie meinen, der (jugendliche) Zuschauer zappt mit dem Daumen auf der Fernbedienung im TV-Programm quer und bleibt dann beim hippen, neuen, jungen Programm des WDR hängen, weil es sich mit der Verjüngungs-Offensive angeblich so enorm vom Gezappel auf den anderen Kanälen unterscheidet. Big fail! Was bitteschön ist innovativ an einer schlechten Kopie von Formaten der Privatsender? Sowohl thematisch als auch von der Machart erkennt der Zuschauer beim Zappen lediglich oben links oder rechts einen Unterschied: bei der Senderkennung.

Die über die vergangenen fünf Jahre schon vielen verpassten Chancen, die vielen uninspirierten Programm-Verjüngungsversuche liegen allein im kurzsichtigen, alten Denken des WDR-Managements. Vor kurzem habe ich noch ein Wirtschaftslehrbuch in der Hand gehalten, von Bernd Wirtz: Medien- und Internetmanagement. Sehr interessant. Denn beim Blättern begriff ich plötzlich, woher die Entscheidungen der WDR-Großkopferten stammen. In dem Buch stehen nämlich sehr interessante Ausführungen über die Zusammenhänge von Produktion und Distribution.

Was allerdings in diesem Buch fehlt, ist der menschliche Faktor. Und genauso verfährt derzeit der WDR: er handelt nur nach wirtschaftlichen Maßstäben und vergisst dabei seine Mitarbeiter.

Kompetenz-Exodus

Der Effekt: Nicht wenige Redakteure und Redakteurinnen sitzen ihren Job regelrecht ab, gehen in die innere Emigration. Und die meisten freien Kollegen haben es schon oder sind dabei – sie orientieren sich anders, kehren dem WDR den Rücken. Denn der ist schon länger nicht mehr der zuverlässige und loyale Arbeitgeber, der er einmal war. Mit einer guten und professionellen Zusammenarbeit zwischen Freien und Redaktionen, fairen Verhandlungen um Themen und Honorare, großzügigen Sozialleistungen usf. Das alles ist auf breiter Flur gekippt und gekappt.

Derzeit mache ich mir Sorgen um einen guten Ausgang der „Geschichte WDR“ à la „… dann sendet er noch heute“.

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